Auszeit – die Magie der Kräuter

Wahlscheider Kräuterwoche? Was sollte das bitte sein? Seit 3 Jahren wohne ich nun hier und bis heute habe ich diesem kleinen zugewachsenen Häuschen am Ortseingang, in dem Frauke Möschler eine Kräuterschule betreibt wenig Beachtung geschenkt. Lediglich im Vorbeigehen entdeckte ich einen Flyer auf dem sie einen Kräutergang durch die Wiesen und Wälder von Wahlscheid anbot. Von der Alltagshektig geprägt, klang es für mich nach einer wunderbaren Möglichkeit abzuschalten und etwas Neues zu lernen. Der Natur ein paar Geheimnisse entlocken? Ich war dabei.

Doch was nimmt man mit auf einen Kräutergang? Ich wusste es nicht, checkte nur kurz das Wetter, schlüpfte in die Sneakers (kleiner Tipp, Wanderschuhe wären besser gewesen ;)) und fuhr mit einem Gefühl aus Anspannung und Vorfreude zum Treffpunkt am Hotell “Zur alten Linde” – der Ort war sicher nicht zufällig gewählt.

Vor Ort begrüßt uns Frauke, eine freundliche Frau mit Kräuter-/Blumenmusterprint, einem kleinen Rucksack mit Kräutern drauf und, da das Wetter unbständig sein sollte, durfte auch der Regenschirm mit Kräutermuster nicht fehlen. Wir sind zu viert und nach einer kurzen Begrüßung und einem kleinen Gruß aus der Region gehen wir los. Weit müssen wir nicht laufen, denn die große Linde lädt uns direkt zur unserer ersten Lektion ein. Man verwendet sie hauptsächlich bei Erkältungen, z.B. als Lindenblütentee oder stellt eine Tinktur her.

Ein paar Schritte weiter, einfach so am Straßenrand begegnen uns Beinwell (als Medizin verwendbar aber wer will kann auch Rouladen aus den Blättern machen), die guten Seiten der Brennnessel, der Spitzwegerich, den man im Salat verwenden kann, das Hirtentäschlkraut und der Weißdorn für herzstärkende Tees. Bis jetzt war das für mich alles Unkraut – doch hier mit Frauke, war der Funke übergesprungen.

Interessiert lauschen wir den Erzählungen der Kräuterexpertin, die uns vorbei an der Kirche, meckernden Ziegen in ein verwunschenes kleines Tal führt. Das von duftendem Bärlauch umgebene Fachwerkhaus hat fast etwas märchenhaftes und spätestens hier ist der Trubel des Alltags vergessen. Wir tauchen ein in ein grünes Paradies, gesäumt von allerlei Wild- und Heilkräutern.

Mal schweigend mal redend genieße ich diese wunderschöne Natur, ein Fleck Unberührtheit an dem andere Menschen Urlaub machen. Auch ich tanke Kraft, genieße jeden Sonnenstrahl und fühle mich nach dem Kräutergang gut belehrt. Wir sind umgeben von einer Welt voller wiksamer Substanzen und ohne es zu wissen steckt vieles in unseren alltgäglichen Arzneien.

Ein großes Thema ist auch der Bärlauch, fast jeder kennt die nach Knoblauch duftende Pflanze (bitte nicht mit Maiglöckchen verwechseln) und bei aller naturverbundenheit macht sich auch ein bisschen Ärger Luft, über Mitmeschen, die ohne Bedacht die Bärlauchvorkommen abernten. Auch hier ist ein achtsamer Umgang mit den Ressourcen unserer Umwelt gefragt.

Wir brauchen etwas länger als die angeilten 2 Stunden, doch die Zeit scheint beim Stillstehen zu verfliegen .

Zurück im Hotel wird uns noch eine kleine Erfrischung serviert, Holunderblüten-Sirup-Limonade mit Minze und Melisse, ein echter Genuss, schon allein der Duft ist betörend. Mit diesem guten Gefühl verabschiede ich mich.

Als Kräuterexpertin würde ich mich noch lange nicht bezeichnen, aber ein Kräutergang lädt ein den eigenen Horizont etwas zu erweitern, das Herz für die Pflanzenwelt zu öffnen und komme ich heute an einem Löwenzahn vorbei muss ich lächeln, er ist essbar, enthält viele Vitamine, Mineralien und wertvolle Bitterstoffe – von wegen Unkraut.

Das alte Wissen über Kräuter wieder auszugraben, anzuwenden und weiterzugeben ist Aufgabe der Phytotherapie. Doch Kräutergänge werden mittlerweile in vielen Städten angeboten und vielleicht entdeckst auch du die Schönheit der Kräuter am Wegesrand.

Deine Natascha